Jobsuche in Schweden

Das Nordland ist mehr als ein Möbellieferant

Zur Zeit bin ich Bäcker in einem großen Unternhmen in Hamburg. Ich lerne gerade Schwedisch und würde meinen Beruf auch gerne in dem Land ausüben. Wie sehen meine Chancen aus?

Neben der unglaublichen Weite des Landes und des ganz besonderen Lichtes werden Ihnen zu Beginn Ihrer Zeit in Schweden bestimmt auch die vielen Männer mit Kinderwagen auffallen. 60 Tage des schwedischen Elternurlaubes sind für die Männer reserviert. Das Elterngeld in Höhe von 80 Prozent des Einkommens wird für diese zwei Monate nur gezahlt, wenn die Väter in der Zeit Ihr Kind betreuen. 80 Prozent der schwedischen Männer machen von der Möglichkeit Gebrauch direkt nach der Geburt Ihres Kindes 10 Tage Urlaub mit Elterngeld zu nehmen.

Schweden gehört mit seinen 9 Millionen Menschen zu den am dünn besiedelsten Ländern in Europa. Ein Drittel der Bevölkerung lebt in den großen Städten: in der Hauptstadt Stockholm mit 727.000 Einwohnern (mit umliegender Region 1,6 Millionen Einwohner), in Göteborg und in Malmö. In Schweden sind 530.000 Ausländer ansässig, deren Anteil an der Erwerbsbevölkerung ungefähr 5 Prozent beträgt.

Obwohl Schweden in den 90er Jahren mit einer schweren Wirtschaftskrise zu kämpfen hatte, lag die Arbeitslosenquote im April 2006 bei nur 4,6 Prozent - das ist im europäischen Gesamtvergleich niedrig. Die Beschäftigungsrate der Erwerbstätigen zwischen 20 und 64 Jahren ist im Vergleich zu anderen europäischen Ländern mit 77,5 Prozent hoch (2005). Schon seit den 60er Jahren war Schweden europäischer Vorreiter in Sachen Gleichberechtigung und Berufstätigkeit von Frauen. Entsprechend hoch ist der Anteil der berufstätigen Frauen bei 48 Prozent. Es ist allgemein üblich, dass junge Mütter mit kleinen Kindern weiter berufstätig sind - moderne Kinderbetreuungs-Konzepte und ein sehr hohes Teilzeitarbeitsangebot machen dieses möglich. Etwa 24 Prozent der Beschäftigten arbeiten weniger als 35 Stunden die Woche, besonders im öffentlichen Sektor. Ein Drittel sind in Schweden in der öffentlichen Verwaltung beschäftigt, zwei Drittel in der Privatwirtschaft.

Die schwedische Wirtschaft - zu 85 Prozent in Privatbesitz - ist gut entwickelt. Schweden gehört zu den weltweit führenden Nationen im Bereich der Informationstechnologie (IT): Telekommunikation, e-Commerce, Internet und Neue Medien. Nicht zu vergessen die Holz- und Möbelindustrie, die Automobilindustrie mit so bekannten Marken wie Volvo und Saab und elektronische Geräte von Elektrolux. In den vergangenen 12 Monaten stieg die Zahl der Stellen insbesondere im Transport- und Baugewerbe sowie in der verarbeitenden Industrie. Kreative skandinavische Architektur, Design und Innenraumgestaltung haben sich zu einer weltweit beachteten Größe entwickelt. Auch deutsche Bauingenieure und Architekten, die der Flaute auf dem heimischen Arbeitsmarkt entgehen wollten, haben hier spannende Aufgaben gefunden. Gesucht werden ebenfalls Ärzte und Pflegepersonal. Gute Beschäftigungschancen haben auch Lehrer, Wachpersonal, Köche, Bäcker und Konditoren. Für alle gilt, dass die Beherrschung der schwedischen Sprache unabdingbar ist, auch wenn das Englische allgemein ebenfalls gefordert wird. Mittlerweile rekrutieren schwedische Firmen auch über deutsche Arbeitsämter ihre Mitarbeiter, meist wird bei dieser Vermittlung auch ein Sprachkurs dazwischen geschaltet.
Der Bruttojahresverdienst liegt durchschnittlich bei etwa 30.000 Euro. Es gibt große regionale Unterschiede, die höchsten Gehälter werden in der Grafschaft Stockholm gezahlt, die niedrigsten auf der Insel Gotland. Im Vergleich zu Deutschland müssen Sie mit etwa 10 Prozent höheren Lebenshaltungskosten rechnen. Wenn Sie gerne einen gepflegten Wein zum Essen trinken oder ohne Ihr Feierabendbier nicht auskommen, rechnen Sie mit deutlich höheren Preisen für alkoholische Getränke als in Deutschland.

Von den Experten wird für Schweden im Allgemeinen die Jobsuche vor Ort empfohlen. Wichtigster Ansprechpartner ist immer noch die staatliche Arbeitsvermittlung. Auch nach der Öffnung für private Anbieter werden immer noch ungefähr 60 Prozent aller freien Arbeitsplätze über staatliche Stellen besetzt. Die Kauf-Zeitschriften "Platsjournalen" und "Nytt Job" bieten in Schweden Jobangebote. Die größte Tagezeitung mit den meisten Stellenannoncen ist "Dagens Nyheter", weitere Angebote findet man "Svenska Dagbladet", "Dagens Industri", "Göteborgs-Posten", "Sydsvenska Dagebladet" und in der kostenlosen Zeitung "Metro".

Ebenfalls eine gute Möglichkeit der Suche vor Ort bieten Firmenkontaktmessen, die von März bis Mai und im Oktober an schwedischen Universitäten durchgeführt werden. Die größte unter ihnen, Armada im Oktober, wird von der Studentenvertretung des "Royal Institute of Technology" in Stockholm organisiert. Mehr und mehr gehen die großen Firmen in Schweden aber dazu über, Stellenanzeigen auf ihre eigenen Internetseiten zu stellen, dort können Sie sich in einigen Fällen die Bewerbungsunterlagen direkt herunterladen. Weitere Möglichkeiten sich von Ihrem Schreibtisch aus einen Job in Schweden zu suchen, bieten die zahlreichen Online-Jobbörsen: http://www.stepstone.se/; http://www.topjobs.se/; http://gulasidorna.eniro.se/; http://www.monster.se; http://www.jobsafari.se/; http://csjobb.idg.se/Ettan.nsf/Ettan?ReadForm;  http://www.lokus.se/;  für IT-Kräfte: http://www.trr.se/, für technikbasierte und IT-Berufe: http://www.nyteknik.se/ und der nationale Arbeitsmarktservice: http://platsbanken.amv.se/. Auch auf Eures, dem Portal für berufliche Mobilität, finden Sie eine Jobbörse, sowie weitere Informationen zum Thema Arbeiten in Schweden.

Initiativbewerbungen sind in Schweden durchaus üblich, Adressen von Firmen finden Sie in den Gelben Seiten oder in den Branchenverzeichnissen. Die Adressen von deutschen Niederlassungen in Schweden erfahren Sie bei der deutsch-schwedischen Handelskammer.
Ihre Bewerbung sollte in schwedischer Sprache verfasst sein, nur große, internationale Firmen erwarten eine englisch formulierte Bewerbung. Das Anschreiben sollte präzise sein und die eigene Qualifikation und Motivation für die Stelle erläutern. Für die Gestaltung des Lebenslaufs gibt es keine festgeschriebenen Regeln. Er sollte chronologisch aufgebaut Informationen zu Ausbildung, Berufserfahrung, besonderen Kenntnissen und Freizeitaktivitäten enthalten. Es empfiehlt sich, gute Noten zu erläutern, da das schwedische Notensystem nur drei Stufen kennt (etwa: ...ich gehörte mit zu den besten des Jahrgangs etc.). Zu den Bewerbungsunterlagen zählen auch die wichtigsten Zeugnisse - möglichst in Übersetzung, ein Foto dagegen ist eher unüblich. In Schweden sind Hierarchien von geringer Bedeutung. Ihr Anschreiben sollten sie an den richtigen Ansprechpartner richten, das Benutzen von akademischen Titeln wird dagegen eher negativ empfunden. Wie wenig formal - bei aller ansonsten erforderlichen Zurückhaltung - es in schwedischen Betrieben zugeht, zeigt schon, dass sich hier alle duzen. Selbst in einem Vorstellungsgespräch ist dies gewöhnlich so, dafür kann es einem passieren, dass Sie sehr genau zum eigenen Tabak- und Alkoholkonsum befragt werden. Dieser "Elchtest" für die Bewerber hat den Hintergrund, dass der Umgang mit den Gesellschaftsdrogen in Schweden immer noch ein großes Problem darstellt.

Für einen Aufenthalt in Schweden, der länger als drei Monate dauert, benötigen Sie eine Aufenthaltserlaubnis. Den Antrag dafür stellen Sie möglichst schnell nach der Einreise bei der zuständigen Dienststelle der staatlichen Migrationsbehörde (Migrationsverket). Wenn Sie bereits vor der Einreise eine Stelle gefunden haben, können Sie die Aufenthaltserlaubnis auch bei den schwedischen Konsulaten in Deutschland beantragen. Neben dem ausgefüllten Antragsformular wird auch ein Personalausweis oder Reisepass sowie zusätzlich eine Bescheinigung des Arbeitgebers oder ein Beschäftigungsnachweis verlangt.

Weitere Informationen erhalten Sie auch bei den Botschaften:

Schwedische Botschaft in Deutschland
Rauchstr. 1, 10787 Berlin
Tel.: 030 50 50 60
Fax: 030 50 50 67 89
E-mail:

Botschaft der Bundesrepublik Deutschland
Tysklands Ambassad
Skarpögatan 9
15 27 Stockholm
Tel.: 0046-8 670 1500
Fax: 0046-8 670 1572
Fax: 0046-8 670 1571 (Rechts- und Konsularabteilung)
Kontaktformular

Weitere Informationen zum Arbeiten in Schweden:

Weitere Informationen zum Arbeiten in Schweden erhalten Sie bei der ZAV (Zentrale Auslands- und Fachvermittlung) der Bundesagentur für Arbeit. Diese stellt auch eine Linkliste für Arbeitnehmer in Schweden zur Verfügung.

Wenn Sie in Schweden arbeiten gelten die schwedischen Rechtsvorschriften für soziale Sicherheit für Sie. Weitere Informationen dazu erhalten Sie in der Broschüre: “Arbeiten in Schweden. Informationen zur Sozialversicherung" der Deutschen Verbindungsstelle Krankenkassen – Ausland.

Informationen über das Land Schweden erhalten Sie auf den Internetseiten des Auswärtigen Amtes und auf http://www.sweden.se/.

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